Sie sind hier: Geschichte Altenberg


Ein Gang durch die Jahrhunderte

Wo liegt denn eigentlich Altenberg?


Der kleine Ort Altenberg (heute ein Teil der Gemeinde Odenthal) liegt nicht weit von der östlichen Stadtgrenze Kölns entfernt am Rande des Bergischen Landes, und auch zu den Städten Leverkusen, Bergisch-Gladbach, Solingen und Remscheid sind es kaum mehr als 20 km. Dank seiner naturgeschützten und verkehrsgünstigen Lage dient Altenberg unzähligen Menschen als attraktives Naherholungsgebiet. Kinder begeistert der Märchenwald, für Spaziergänger finden sich zu beiden Seiten des Flüsschens Dhünn zahlreiche gut markierte Wanderwege. Und auch die Feinschmecker kommen nicht zu kurz.

Der unumstrittene Mittelpunkt Altenbergs ist der sogenannte „Bergische Dom“ – meistens Altenberger Dom genannt. Er dient den beiden großen Konfessionen seit über 100 Jahren als Gottesdienststätte. Abgesehen von seinem kunsthistorischen Wert hat er sich seit Jahrzehnten als Stätte der Kirchenmusik einen Namen gemacht und ist seit langem ein spirituelles Zentrum mit großer Ausstrahlungskraft für die gesamte Region und darüber hinaus.

Wenn sich auch die Bezeichnung Altenberger "Dom" durchgesetzt hat – ein Bischofssitz war die Kirche nie. Geprägt hat diesen Namen Vincenz von Zuccalmaglio, genannt Montanus, der maßgebliche Chronist und Heimatdichter des Bergischen Landes im 19. Jahrhundert.

Die Anfänge des Klosters


Kaum noch als Zeitzeugen der Geschichte zu erkennen sind die wenigen, heute noch vorhandenen Steine am Waldzug südöstlich des Altenberger Doms. Hier stand auf einer steilen Anhöhe über der Dhünn (Bülsberg) der erste Stammsitz eines kleinen, ländlichen Adelsgeschlechtes, das 1059 urkundlich als "Grafen von Berg" erfasst wurde und zu Ruhm und Ansehen kam (übrigens: das Bergische Land hat seinen Namen nach diesem Grafengeschlecht, und nicht etwa, weil es bergig ist). Erst als die Grafen von Berg – der regierende Graf Adolf und sein Bruder Everhard – ihre neue, weitaus stattlichere Burg an der Wupper errichtet und bezogen hatten, überließen sie ihren verlassenen Wohnsitz "alten berge" den Mönchen des kurz zuvor gegründeten Zisterzienserordens.

Ihren Ausgangspunkt hatte die Bewegung der Zisterzienser im Kloster Citeaux in Burgund (Frankreich). Unzufrieden mit der aus seiner Sicht mit der Zeit zu lasch gewordenen Lebensweise der Benediktiner gründete der siebzigjährige Robert von Molesme mit rund zwanzig weiteren Mönchen 1098 mitten in der Einöde bei einer Zisterne (lateinisch: cistercium, daher die Bezeichnung Zisterzienser) eine asketisch lebende Gemeinschaft, die zur strengen benediktinischen Regel "ora et labora" zurückkehrte. Stephan Harding, der dritte Abt von Citeaux, gab dem Orden mit seiner Charta Caritatis 1109 die "Verfassung".

Mit Bernhard von Clairvaux, vormals Novize in Citeaux, verbindet sich im 12. Jahrhundert der Aufstieg der Zisterzienser. Vom 1153 gestorbenen und 1174 heilig gesprochen Bernhard, der „durch seinen Gotteseifer, seine Entschlossenheit und hinreißende Beredsamkeit“ die Menschen in Bann schlug, stammen auch die strengen (Bau-)Vorschriften: Die Klöster sollten von asketischer Einfachheit sein, die angegliederten Kirchen Klarheit atmen. So waren beispielsweise keine Türme, sondern nur Dachreiter gestattet, farbige Fenster, figürliche Darstellungen und sonstiger Schmuck verboten. Gestattet waren allein ein Kreuz und ein Abbild der Muttergottes.

Die ersten Mönche mit ihrem Abt Berno trafen 1133 in Altenberg ein. Sie kamen aus Morimond, nahe der lothringisch-deutschen Grenze. In dieses Tochterkloster von Citeaux war Graf Everhard v. Berg einige Jahre vorher eingetreten.

Aber recht bald zogen die Klosterbrüder vom Gelände der Stammburg hinunter ins Tal. Eine Siedlung direkt am Ufer der Dhünn war zweckmäßiger. In der Folgezeit entstanden nun die Klosterbauten und die Klosterkirche, eine dreischiffige romanische Basilika, die vermutlich im Jahre 1145 geweiht wurde.

Bereits 1259 erfolgte die Grundsteinlegung zu dem neuen, heute noch bestehenden gotischen Gotteshaus. Die Bauarbeiten schritten zunächst rasch voran, ab 1275 gerieten sie jedoch ins Stocken – vermutlich aus Geldmangel. Gut hundert Jahre später, am 3. Juli 1379, wurde die noch nicht fertig gestellte Abteikirche von Bischof Wikbold von Kulm – der durch große Schenkungen viel zu ihrem Aufbau beigetragen hatte – geweiht. Um 1390 wurde das Maßwerk des großen Westfensters vollendet.

Der Niedergang


Die Abtei Altenberg erlebte in den folgenden Jahrhunderten gute und weniger gute Zeiten. Der Verfall von klösterlicher Ordnung und Geisteshaltung, die Folgen von Kriegseinwirkungen und nicht zuletzt die Verschwendungssucht mancher Äbte bedingten den wirtschaftlichen Niedergang des Klosters.

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803, als Folge der ganz Europa erschütternden französischen Revolution, wurde ein großer Teil des Kirchenbesitzes in die Zuständigkeit der jeweiligen weltlichen Herren übertragen. Auch Altenberg war davon betroffen. Im November 1803 verließen die letzten Mönche und ihr Abt Josef Greef die Abtei.

Die Domruine im Jahre 1834* – nach einem Stahlstich von E. Gerhard. Für eine vergrößerte Ansicht auf das Bild klicken.

1806 erwarb der Kölner Kaufmann und Weinhändler Pleunissen die gesamte Anlage, musste aber zusichern, dass die Kirche auch weiterhin für Gottesdienste zur Verfügung stände. So wurde dann im Kloster eine Fassherstellung eingerichtet, und die Kirche diente zeitweise als Lagerraum. Später verpachteten Pleunissens Erben die Gebäude an zwei Chemiker, die im ehemaligen Dormitorium eine Berliner-Blau-Fabrik einrichteten. In der Nacht vom 6. zum 7. November 1815 brach ein Feuer aus, das die gesamte Klosteranlage und das Dach der Kirche vernichtete. 1819 wurde zwar ein Notdach errichtet, aber so wenig sachgemäß, dass Wasser in Gewölbe und Mauem einsickern konnte. 1833 deckte ein Sturm das Dach ab, Wind und Wetter hatten nunmehr ungehinderten Zugang, Mauern stürzten ein oder wurden abgerissen, die Kirche verfiel immer mehr.

* Bild mit freundlicher Genehmigung des Altenberger Domvereins

Der Neubeginn


Nach den Wirren der napoleonischen Zeit wurde 1815 auf dem Wiener Kongress Europa neu geordnet. Die Rheinlande fielen an Preußen. So saß nun der "zuständige Herr über Altenberg" in Berlin. Der Besitzer der Kirchenruine war inzwischen Franz-Egon v. Fürstenberg-Stammheim geworden. Er hatte es sich in den Kopf gesetzt, die Kirche zu retten und übertrug 1834 die Ruine dem preußischen Staat. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen bewilligte Gelder aus der Staatskasse für den Erhalt des Altenberger Domes, allerdings unter der Bedingung, dass der wiedererstellte Dom in Zukunft von beiden Konfessionen – Protestanten und Katholiken – gemeinsam genutzt würde.

Auch der Kronprinz, der spätere König Friedrich Wilhelm IV., zeigte großes Interesse am Wiederaufbau der ehemaligen Abteikirche – lag hier doch auch eine seiner entfernten Vorfahren (Sibylla von Brandenburg) bestattet. Zudem fühlte man sich der Romantik verbunden und dem Erhalt von historischen Denkmälern verpflichtet.

Der Wiederaufbau begann 1836, die wiedererstandene Kirche wurde 1847 im Beisein von Friedrich Willhelm IV. geweiht. Doch über die simultane Nutzung waren sich die katholische und die evangelische Seite lange Jahre uneins. Die Verzögerungen verärgerten den König, er bestand auf einem völligen Simultangebrauch durch beide Konfessionen. So wurde beschlossen und im Juli 1857 verkündet, dass die Evangelischen den Dom vormittags von 8 bis 10 Uhr und nachmittags von 13 bis 15 Uhr nutzen könnten. Die übrige Zeit blieb den Katholiken vorbehalten. Wenig später, im August 1857, fand der erste evangelische Gottesdienst statt, die erste katholische Messe etwas früher.

Maßgeblich zum Erhalt des Altenberger Domes gegen Ende des 19. Jahrhunderts trug --> Maria Zanders bei, die Gattin des Papierfabrikanten Richard Zanders in Bergisch Gladbach.

Heute gehört der Altenberger Dom dem Land Nordrhein-Westfalen als Rechtsnachfolger des preußischen Staates, wird weiterhin simultan und einvernehmlich genutzt und ist ein gutes Beispiel für ökumenische Möglichkeiten der beiden großen Konfessionen.

Maria Zanders geb. Johanny *1839 †1904


"Der Altenberger Dom ist nun zwar im Bau wiederhergestellt ..., aber wie arm, wie dürftig sieht der königliche Dom aus - so hat ihn sein Stifter sicher nicht im Geiste geschaut. Je öfter man den Dom besucht ..., desto lebhafter wird man von dem Gefühl ergriffen, daß der jetzige Zustand des edlen Gotteshauses ... nicht dauern kann und darf!"

So klagte Maria Zanders, Fabrikantenwitwe aus Bergisch Gladbach, in einer Druckschrift, die 1893 erschien. Damals wies die Kirche zahlreiche Mängel auf, die durch eine Restaurierung beseitigt werden sollten. Dem Bergischen Dom fehlte der Dachreiter, das Dach war bei der Wiederherstellung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu niedrig ausgefallen, was an den Giebeln unschwer zu erkennen war, die Fenster und die Grabmale der bergischen Herzöge bedurften einer Restaurierung, die Statik der Kirche war mangelhaft. Schließlich fehlte die originale Innenausstattung, die nach der Auflösung des Klosters Altenberg in alle Winde verstreut worden war.

Maria Zanders (1839-1904) gelang es bereits 1893, die preußischen Behörden, aber auch zahlreiche Freunde und kulturell Interessierte für eine weiter gehende Wiederherstellung und Ausschmückung des Domes zu gewinnen. Mit einer kultusministeriellen Genehmigung ausgestattet, führte sie eine großangelegte Spendenaktion durch und gründete ein Komité – heute würde man sagen: eine Bürgerinitiative – aus der schließlich 1894 der --> Altenberger Domverein erwuchs.

Mit Hilfe von Spendengeldern, Lotterieerlösen und Mitgliedsbeiträgen wurden in den Jahren nach 1894 die Fenster des Domes restauriert. 1904 wurde das Dach erneuert und mit einem Dachreiter bekrönt, 1909 erhielt das Langhaus ein Strebesystem.

Im Laufe der Jahre wurde auch die Innenausstattung ergänzt: Nachbildungen des alten Chorgestühls und des Adlerpults wurden angefertigt, die beiden heute noch vor dem Lettner stehenden Barockfiguren kehrten in den Dom zurück, der Marienaltar wurde angeschafft, zwei Orgelregister aufgestellt. Schließlich beteiligte sich der Domverein an einer umfassenden Bauaufnahme, die auf 12 großformatigen Plänen den damaligen Zustand der Kirche steingenau in allen Einzelheiten wiedergibt (diese werden heute im Rheinischen Amt für Denkmalpflege aufbewahrt).

Heute macht sich der Verein besonders um Publikationen zur historischen und kunstgeschichtlichen Erforschung Altenbergs, sowie durch Aufbau und Pflege des in Bergisch Gladbach befindlichen Altenberg-Archivs verdient.

Quelle: Altenberger Domverein

  • Erfahren Sie --> HIER mehr zur Entstehung der Simultankirche Altenberger Dom

Evangelische Domgemeinde Altenberg