Bewahrt das Feuer, nicht die Asche.

Liebe Gemeinde,

weihnachtlicher Friede und Freude die Fülle sei in uns allen. Amen.

 

Ich habe schon immer gerne Feuer gemacht. Lagerfeuer, Osterfeuer, Kaminfeuer, großartig. Ich zünde gerne Silvesterraketen, wenn auch mittlerweile mit schaurig schlechtem Gewissen.  Mein allerliebstes Gartengerät ist der Thermoflamm. Wenn ich damit auf das Unkraut losgehe fühle ich mich ein bisschen wie Luke Skywalker mit dem Laserschwert.  Feuer ist faszinierend und wunderschön. Wenn man in die Flammen blickt, kann man ganz darin eintauchen. Immer neue Bilder, wohlige Wärme, schöne Gemütlichkeit. Wahrscheinlich ist mein Sternzeichen der Feuersalamander.

 

Vor etlichen Jahren war ich als Notfallseelsorgerin im Einsatz. Ein Brand in einer Wohngegend. Als ich ankam, war von dem schicken Einfamilienhaus fast nichts mehr übrig. Nur das schmiedeeiserne Treppengelände ragte noch seltsam verbogen aus den verkohlten Trümmern in den nächtlichen Himmel. Überall rauchte und glomm es. Ein apokalyptischer Anblick. Und es stank, - nach Gummi, nach Teer, nach Holzkohle, nach Zerstörung. In den Flammen hatte ein Bewohner den Tod gefunden. Die Feuerwehrleute waren machtlos. Die Flammen, die gewaltige Hitze, dagegen hatten sie mit ihren Löschfahrzeugen nichts mehr ausrichten können.

 

Feuer – Wärme und Licht, loderndes Inferno und Zerstörung.

Als es den ersten Menschen gelang, das Feuer zu zähmen und zu hüten begann ein neues Kapitel in der Menschheitsgeschichte. Das Feuer am Strand - ein Hoffnungszeichen für Schiffsbrüchige.  Aber wie schnell kann ein Feuer außer Kontrolle geraten. Trotz Hydranten und Drehleitern.

Unsere Gedanken gehen nach Australien. Tausende Feuerwehrleute sind auch jetzt gerade in dieser Stunde, Tag und Nacht im Einsatz gegen die verheerenden Buschbrände. Möge ihr Einsatz erfolgreich sein!

Unsere Gedanken gehen nach Moria, mögen die Kinder im Elend des Flüchtlingslagers wenigstens ein Feuer haben, an dem sie sich wärmen können und eine warme Suppe. Mögen die Herzen aller europäischer Politiker/innen zu Weihnachten entflammt werden von neuer Hilfsbereitschaft und neuem politischen Mut.  Es ist eine Schande nicht zu handeln.  Man darf nicht das Kind in der Krippe hochleben und die Kinder der Welt im Elend lassen. How dare you… -

Manche schüren Feuer mit Worten. Und es werden immer mehr. Rechte Brandstifter faseln von dem, was wir längst überwunden glaubten. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass es in unserem Land wieder Anschläge auf Synagogen geben kann. Dass jüdisches Leben in Deutschland nur mit Polizeischutz möglich ist.

How dare you…

 

Feuer – Wärme und Licht, loderndes Inferno und Zerstörung.

In der Bibel erscheint Gott im Feuer. Weist dem Volk Israel als Feuersäule in der Nacht den Weg in die Freiheit. Spricht mit Mose aus dem brennenden Dornbusch. Steigt im Feuer auf den Berg Sinai herab und übergibt Mose die 10 Gebote. Gott ist im Feuer anwesend und gleichzeitig unsichtbar. – Der Zorn Gottes lässt Feuer regnen, zum Beispiel auf Sodom und Gomorrha. Wegen der großen Vorkommen von Asphalt und Schwefel in dieser Gegend am Toten Meer kam es dort öfters zu verheerenden Bränden und Explosionen. Es gibt also einen wahren Kern in der Geschichte.

Von Bränden und Explosionen kann auch unser lieber Dom erzählen. Ohne das beherzte Engagement des jungen Königs Friedrich Wilhelm säßen wir heute hier in einer Ruine ohne Dach im Nieselregen.

 

Feuer – Wärme und Licht. Ich stelle mir vor, dass die Hirten damals am Lagerfeuer saßen. Vielleicht tief in den Anblick der Flammen versunken. Eng aneinandergerückt, denn die Nächte in Bethlehem können kalt sein. Wie müssen sie erschrocken sein, als auf einmal das himmlische Feuerwerk losging, mit Engelsgesang und Sternengefunkel. Wahrscheinlich haben sie das „Fürchtet euch nicht“ überhört in ihrem ersten Schrecken. Aber der Engel sprach freundlich, der Himmelsgesang war schön und die Neugier hat schließlich gesiegt: Lasset uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist. Und was sahen sie?

Eigentlich nichts besonders. Eine junge Mutter, ein aufgeregter Vater und ein Neugeborenes.

Was hast Du gesagt, Engel? Das kleine Menschenwesen in der Futterkrippe ist Gott in menschlicher Gestalt. Hm, was für eine Geschichte. Das ist so unglaublich, das müssen auch andere hören. Hirten und Könige.

So fing es an. Die Geschichte von der Geburt des göttlichen Kindes läuft um die Erde und durch die Zeit. Bis heute. Heute am 24.12. 2019 ist sie bei uns angekommen. Und? Macht das was mit uns? Gott wird Mensch, der Himmel kommt auf die Erde. Was ist das?

Nur ein rührendes Märchen, sozusagen ein kleiner Gruß aus der religiösen Küche. Und nach diesem Häppchen Besinnlichkeit geht es so richtig los mit der Party, auf der der Gottessohn mit seinen schrägen Ansichten und seinem Faible für schräge Gestalten am Rand der Gesellschaft, nichts mehr zu suchen hat.

Oder muss ich mir das einmal im Jahr doch noch mal sagen lassen, dringend sagen lassen. Eine Erinnerungs-App für die eigene Seele: Gott ist Mensch geworden, für Dich ganz persönlich. Damit du verstehst: dein Leben ist nicht sinnlos, es hat ein Ziel und eine Würde. Gott lässt dich nicht los. Nicht im Glück, nicht im Unglück, auch nicht im Tod.

 

Ihr Lieben,

diese weihnachtlichen Tage haben es echt in sich. Das ganze Menschenleben mit seinen Fragen und Sehnsüchten liegt auf einmal mit auf dem schön gedeckten Tisch oder unterm Weihnachtsbaum.

Zu Weihnachten kann uns das passieren, was einige Jünger nach Jesu Tod bei einer Wanderung erlebten. Er begegnete ihnen und sie erkannten ihn nicht.  Wir erkennen Gott ja oft auch nicht in seinen vielen Verkleidungen, Hautfarben und Herausforderungen. Aber ich bin sicher er schaut uns mit den Augen der Hilfsbedürftigen an. Hinterher, als Jesus fort ist, wird den Jüngern klar, was sie erlebt haben. Sie sagen zueinander: Brannte nicht unser Herz?

Das Herz weiß manches besser als der Kopf. Der Kopf sagt: Geh mir weg mit Weihnachten, Konsumterror, Unfrieden unterm Weihnachtsbaum und weltweit.

Das Herz behütet in sich die kleine Flamme Weihnachtsglück. Das Herz behütet in sich die kleine Flamme Glaube. Angezündet von der Hoffnung, dass alles gut werden kann.  Aus einer kleinen Flamme kann mehr werden. Ein brennendes Herz, voller Liebe und Leidenschaft für Gott und Welt, Menschen und Tiere. Lebendiger, mitreißender Glaube, brennende Liebe und Hoffnung für die arme Erde.

Ich weiß, manchem geht Greta, gehen die engagierten jungen Leute mit ihrem Einsatz fürs Klima tierisch auf den Keks. Ich bewundere diese kompromisslose Leidenschaft. Finde es großartig und beeindruckend, wie sie mit Feuereifer bei der Sache sind.  Davon will ich mich gern anstecken lassen in meiner abgeklärten Müdigkeit. Unsere Kirche braucht junge Leute, ihr Feuer, ihre Begeisterung, ihre Fragen.  In unserer Gemeinde ist die Begleitung Jugendlicher nicht mehr so möglich, wie vor ein paar Jahren. Die Jugendleiterstelle wurde gestrichen. Sparzwänge, Haushaltsprobleme. Alles zu teuer, sagt die Verwaltung.  Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass wir das noch mal wenden können. Vielleicht möchte eine/r von Ihnen mithelfen? Denn wir wollen das Feuer weitergeben und nicht die Asche hüten.

 

Liebe Gemeinde am Heiligen Abend,

Gott hat ein Leuchtfeuer angezündet. Im Scheinwerferlicht des Sterns hören wir heute mal eine gute Nachricht: Gott teilt unser Menschenschicksal: geboren werden, leben, lieben und arbeiten, leiden und sterben. Meine Geschichte. Deine Geschichte. Jeder Mensch wird geboren, lebt eine Zeit und stirbt. Die einen alt und lebenssatt, die andern blutjung. Die einen haben Glück mit ihrem Geburtsort, die anderen schlechte Karten. Wir sind frei, dafür oder dagegen zu sein. In anderen Ländern sieht das ganz anders aus mit der Freiheit zu reden, zu glauben und zu lieben wen ich will. Wir sind freie Menschen in einem reichen Land.

Eigentlich müssten wir brennen vor Freude, in mitreißender Liebe die Armen ans Herz drücken und befeuert vom Heiligen Geist allen zujubeln: Euch ist heute der Heiland geboren! Darum fröhliche Weihnachten! Probieren Sie das bitte gleich mal zu Hause aus!

Amen

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