Predigt im Konfirmationsgottesdienst am 1. Mai 2008 (Christi Himmelfahrt) im Altenberger Dom

Predigttext: Matthäus 4, 18 – 22

18 Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer.
19 Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.
20 Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.
21 Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie,
22 und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus.


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus!


Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde,

es gibt einen alten Witz, den ich Ihnen und euch erzählen möchte: In einer Kirche wimmelt es nur so von Mäusen, so dass der Küster schon ganz verzweifelt ist. Zunächst versucht er, überall in der Kirche Mausefallen aufzustellen, um die Tiere zu fangen, aber nicht eine einzige tappt in die Falle.

Schließlich läuft er zum Pfarrer und klagt ihm sein Leid. Der Pfarrer rät ihm daraufhin, es doch mal mit Mäusegift zu versuchen. Gesagt, getan.

Nach einer Woche kommt der Küster jedoch wieder zum Pfarrer gelaufen und sagt: „Herr Pfarrer, es ist zum verrückt werden: In die Mausefalle ist keine einzige Maus gegangen und auch das Gift, dass ich überall in der Kirche ausgelegt habe, hat nichts genutzt. Nicht eine einzige Maus hat vom Köder gefressen.

„Hm“, sagt der Pfarrer, „dann lassen Sie es mich mal versuchen.“

Eine Woche vergeht. Und wieder kommt der Küster aufgeregt und ganz außer sich zum Pfarrer gelaufen und sagt: „Herr Pfarrer, das gibt´s doch nicht, ich versteh' die Welt nicht mehr. Ich suche schon seit zwei Tagen, aber es ist keine einzige Maus mehr in der ganzen Kirche zu sehen. Jetzt sagen Sie mir mal, wie Sie das bloß geschafft haben?!“

„Das war kein Problem“ sagt der Pfarrer „ich habe die Mäuse einfach getauft und konfirmiert und dann war keine mehr in der Kirche zu sehen“.

Liebe Gemeinde, was der Witz über die konfirmierten Mäuse ausdrückt, ist letztlich die Frage danach, ob mit der Konfirmation ein Weg endet, oder ob auch ein neuer Weg anfängt.

Eben haben wir uns als Konfigruppe ein letztes Mal vor dem Dom versammelt und für den Einzug aufgestellt. Und die allermeisten von euch Konfis waren sehr aufgeregt – und den meisten eurer Eltern wird es hier in der Kirche nicht viel anders ergangen sein. Denn das Fest der Konfirmation hat mit selbständig werden und erwachsen werden zu tun. Nicht mehr allein eure Eltern, sondern ihr selbst seid es nun, die bestimmen, welchen Weg ihr im Leben gehen wollt.

Und dann haben wir – wie schon so viele Generationen vor uns – die inzwischen durch viele tausend Füße abgetretene Schwelle zu dieser Kirche übertreten. Beinahe mühelos sind wir eingetreten in das Haus Gottes, um an diesem Festtag einen besonderen Platz einzunehmen und mit unseren Familien zu feiern. Manche Wege lassen sich leicht und mühelos gehen, andere schwerer.

Zwei mehr oder weniger lange Jahre Konfirmandenzeit liegen nun hinter euch. Jeder von euch Konfirmanden könnte Geschichten aus dieser Zeit erzählen. Darunter vielleicht nicht nur, wie man es schafft, Frau Hartmann oder Herrn Richter auf hundertachzig zu bringen, sondern auch, wie es war, als ihr einmal Leute im Rewe Markt interviewt habt und nach der Bedeutung von Glauben im Leben der Menschen in Odenthal gefragt habt.

Schöne Stunden, langweilige Stunden, interessante Stunden – es gab Lachen und Weinen, Freude und Ärger. Und wozu das alles? Nur wegen eines reich gedeckten Geschenketisches und eines Familienfests?

„Spielen die Dinge, die wir im Konfirmandenunterricht besprechen, überhaupt eine Rolle in meinem eigenen Leben?“ mag sich mancher gefragt haben. Wozu die Verpflichtung, früh aufzustehen, um zum Gottesdienst um 9.00 Uhr zu kommen? Dazu dann noch der sonntägliche Küster- und Altardienst ...

In der Tat, manchmal ist es nicht leicht für einen Konfirmanden, in all diesen Dingen und Verpflichtungen einen konkreten Sinn für das eigene Leben zu erkennen.Manchmal habe ich mich gefragt, was wohl in euren Köpfen hängen bleiben wird von dieser gemeinsamen Zeit – und vor allem: Was wohl in euren Herzen hängen bleibt?

Der Besuch beim Bestatter? Die Konfifahrt nach Bethel, um zu erleben, wie behinderte Menschen leben? Oder doch eher die Harry-Potter-Nacht? Vielleicht ja auch von allem ein bisschen.

Der Weg der Konfirmandenzeit endet jedenfalls heute hier mit eurer Einsegnung.


Wir haben eine Schwelle überschritten: Ihr sagt nun selber „Ja“, denn ihr seid keine Kinder mehr. Auch eure Eltern und Verwandten wissen, dass ihr nun anfangt. selbstständig zu werden und eure eigene Wege zu gehen.

Aber auch wenn man eine Schwelle im Leben überschreitet, lässt man nicht alles sofort hinter sich. Man vergisst nicht alles, was man im bisherigen Leben kennen und schätzen gelernt hat. Kluge Menschen nehmen immer etwas mit – so hoffentlich auch ihr: Konfirmandenzeit soll nicht belastendes Gepäck, sondern Wegzehrung für den weiteren Lebensweg sein.

Wir haben eben in der Lesung von der Berufung der Jünger Jesu gehört.

Und wenn man den Evangelisten Matthäus noch im Ohr hat, dann klingt das mit dem Aufruf zur Nachfolge alles ganz einfach und unkompliziert: Jesus geht am See entlang. Dort entdeckt er zwei Brüder, der eine heißt Simon, der andere Petrus und dazu noch Andreas. Sie alle sind gerade bei der Arbeit und werfen als Fischer ihre Netze aus. Jesus sieht das und sagt zu ihnen: „Kommt, folgt mir! Ich mache euch zu Menschenfischern.“ Und weiter heißt es: „und sofort verließen sie das Boot und folgten Jesus.“

Ich weiß nicht, wie lange ihr so braucht, um eure Klamotten für eine Klassenfahrt oder einen Urlaub zu packen. Eine Stunde oder einen Tag? Ganz sicher aber würdet ihr bestimmt nicht sofort alles stehen und liegen lassen, wenn da jemand käme und euch mal eben auffordert, ihm zu folgen.

Wenn Jesus ein „Irgendjemand“ gewesen wäre, dann hätte die Geschichte von ihm hier zu Ende sein können, bevor sie richtig angefangen hat ... wenn die Fischer nicht doch diesem Jesus irgendwie geglaubt und vertraut hätten. Sie sind dem Aufruf Jesu gefolgt un, so wie sie sind: Mit allen ihren Fehlern, aber auch mit allen ihren Begabungen und Fähigkeiten. Sie alle haben einen neuen Weg gewagt. Ihr Leben war nun nicht mehr allein vom Fischefangen geprägt, sondern von einem neuen Miteinander im Geiste Jesu. Andreas, Simon und Petrus hatten offensichtlich genug Vertrauen, um die eingefahrenen Gleise und alte Wege verlassen zu können.

Uns Menschen von heute fällt das häufig sehr schwer. Wie soll man als Christ leben? Gibt es wirklich diesen Gott? Was ist nun mit dem Leben nach dem Tod – ob es wohl stimmt, was Jesus da behauptet hat? Diese Fragen sind nicht neu, sondern so alt wie das Christentum. Und manche dieser Fragen beantwortet das Leben.

Glaube ist niemals Wissen, sondern immer ein herzliches Vertrauen. Man kann auch nie „wissen“, ob man von anderen Menschen geliebt wird, sondern man muss darauf „vertrauen“, dass man geliebt wird. Vertrauen ist die Basis für jede Liebe – das gilt auch für die Liebe Gottes.

Andreas, Petrus und Simon wussten das, deshalb konnten sie sich mit Jesus auf den Weg machen und zu „Menschenfischern“ werden.

Auch ihr sollt, wenn ihr euch auf den Weg ins selbständige Leben macht, wissen, dass ihr euch verlassen könnt auf die Menschen, die euch lieben: Auf eure Eltern, auf eure Verwandten und auf eure Freunde. Sie alle wollen euch auch in Zukunft begleiten.

Ihr sollt aber auch wissen, dass, wenn ihr euch mit Gott auf den Weg macht, er bei euch sein wird – in den fröhlichen und in den traurigen Stunden eures Lebens könnt ihr euch auf ihn verlassen. Jesus ruft uns alle immer wieder im Leben auf, ausgetretene Pfade zu verlassen und einen neuen Anfang zu suchen. Ja, er behauptet sogar, dass die Welt an seinen Jüngerinnen und Jüngern erkennen soll, wer er ist! Nicht immer gelingt das – auch nicht in meinem Leben. Aber es kommt darauf an, überhaupt den Willen und die Ausdauer zu haben, es immer wieder zu versuchen. Vor dem Ernten kommt dass Säen – erst wenn ich bereit bin, mich auf den Weg zu machen, werde ich etwas von der Liebe Gottes spüren können.

Diesen Willen und diese Ausdauer wünsche ich euch für eure Zukunft!

Konfirmation 2008 – ein Endpunkt oder ein Anfangspunkt? Ich denke und hoffe: Beides zugleich - denn ihr seid eben keine Kirchenmäuse.

Und der Friede Gottes, der höher ist, als alles das, was menschlicher Wille sich ausdenkt, bewahre uns und unsere Herzen in Jesus Christus.