Liebe Gemeinde,
als am Freitag bei „Wer wird Millionär" gefragt wurde, was der 11.September 2001 für ein Wochentag war, wusste ich es sofort: Ein Dienstag. Wir hatten nämlich Konfirmandenunterricht im Martin-Luther-Haus und nichts von den Ereignissen in New York mitbekommen. Beim Abholen ihrer Tochter erzählte mir eine Mutter von dem Terroranschlag. Ich bin dann sofort nach Hause und habe mir fassungslos die Bilder im Fernsehen angesehen. Ich hatte Angst. Am Abend haben wir hier mit dem Gospelchor noch eine Andacht gehalten und drei Tage später mit Pastor Anders einen ökumenischen Gottesdienst in der überfüllten Odenthaler Kirche.
Heute ist es genau zehn Jahre her: Am 11. September 2001 entführten 19 Terroristen der Al-Kaida unter Regie von Osama Bin Laden 4 Flugzeuge. Anschlagsziele waren das World Trade Center, das Pentagon und das Weiße Haus. Dabei sollten möglichst viele Menschen sterben und die politischen und industriellen Wahrzeichen des Westens zerstört werden. Die USA zog daraufhin, unterstützt durch die Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe (ISAF), in den Kampf gegen die sogenannte „Achse des Bösen". Viele, viele Menschen, darunter auch deutsche Soldaten, sind seitdem in diesem Kampf in Afghanistan und anderswo gestorben. Ein Ende, ja Frieden, ist nicht abzusehen. Der 11. September 2001, er veränderte die Welt. Er veränderte unser Leben. Der 11. September ist in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt.
Wir haben gehört: „Gott macht alles neu. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ So lautet die Tageslosung für heute. Hoffnungsvolle Bilder. Wir haben andere Bilder vor Augen: die zerstörten Türme des World Trade Centers.
Und in diesen Tagen: Bilder des Kampfes aus Libyen, Bilder von Folterkammern, Toten, Zerstörung. Aber Gott sei Dank ist der Diktator vertrieben. Wir hoffen mit den Menschen in Libyen auf einen friedlichen und demokratischen Neuanfang.
Unsere Welt, ein Ort voller Unfrieden, Gewalt und Not. Einerseits. War das schon immer so? Wird sich da denn nie wirklich etwas ändern? Außer, dass der Blick von einem Krisenherd auf einen anderen gelenkt wird?
Liebe Gemeinde, wenden wir unseren Blick zurück, in die biblische Zeit des Propheten Jesaja. Jerusalem, 700 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Das Nordreich Israels ist bereits vor einigen Jahren untergegangen. Überall in Jerusalem sind Überreste von Kämpfen zu sehen. Die Stimmung im Volk ist angespannt. Der eine versucht den anderen übers Ohr zu hauen. Und vor den Toren der heiligen Stadt ist schon das Säbelrasseln der Assyrer zu hören. Nicht mehr lange wird es dauern, bis sie die Stadt belagern und gewaltvoll in sie eindringen werden. Und wer weiß, was dann noch alles geschehen wird. Jerusalem, zur Zeit Jesajas - ein düsterer Ort voller Gewalt, Misstrauen und Zukunftsangst. |
Jerusalem gerade in jener Zeit, der Ort einer großen Vision des Propheten Jesaja. Inmitten aller realen Bedrohung vernimmt er Gottes Botschaft für das Volk Israel und für uns heute. Gott verändert. Gott macht alles neu. Der Traum und die Sehnsucht nach einer besseren Welt werden wahr werden. Gottes Reich wird kommen. Friede wird sein. Tote Gärten werden wieder fruchtbar. Blinde werden sehen, Taube werden hören. Richter werden gerechte Urteile sprechen... Und Urheber und Grund all dieser Verwandlung ist Gott. Gott, der schon früher Menschen befreit hat, er wird es wieder tun, aller anders erscheinenden Realität zum Trotz. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.
Liebe Gemeinde, eine wunderbare Vision, eine wunderbare Botschaft Gottes. Eine Botschaft, die heute, zehn Jahren nach den Anschlägen in New York hier in Altenberg und an vielen anderen Orten der Welt erklingt. Der Realität zum Trotz. Es wird anders werden. Für uns Christinnen und Christen ist viele, viele Jahre nach Jesaja mit Jesus Christus die eine ganz große Verheißung wahr geworden. Neues Leben und neue Wege sind geschenkt. Taube werden hörend - das Evangelium erzählt davon, Blinde werden sehend, der Tod ist nicht das Letzte. Nach dem Dunkel wird Gott uns wieder ins Licht führen.
Gottes Reich ist angebrochen mitten unter uns, das können wir durch Gottes Wort und Geist spüren. Aber es ist längst noch nicht vollendet, auch das spüren wir jeden Tag schmerzlich in unserem eigenen Leben, mit Blick auf die vielen Krisenherde unserer Welt, mit Blick vor unsere Haustür, mit Blick in die krisengeschüttelten Länder Europas.
Einerseits: „Schon jetzt ist Gottes Reich angebrochen“ und doch andererseits: „Noch längst nicht ist es vollendet“, birgt eine große Spannung. Eine Spannung, die zu unserem Leben dazu gehört und oft schwer auszuhalten ist. Und doch, wenn wir unsere Blicke öffnen, gibt es ganz viel Mut machendes - jetzt und hier:
Dein Reich komme - so beten wir in jedem Gottesdienst. Treten wir mit unseren Möglichkeiten dafür ein, dass Gottes Reich jeden Tag mitten in unserer Welt ein Stück mehr Wirklichkeit wird.
Vor einigen Jahren war ich mit meiner Familie am Ground Zero in New York.. Die Bilder des 11. September 2001 waren wieder gegenwärtig, Blumen erinnern immer noch an die vielen Toten. Bauarbeiten sind im Gange. Menschen arbeiten an einer Vision an dieser Stelle, ein großes Begegnungszentrum zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen zu schaffen.
Gott macht alles neu. Durch sein Wort und seinen Geist können wir davon etwas spüren, - von Gottes verwandelnder Kraft und Macht. Lassen wir uns von Gottes Kraft anrühren und bauen wir mit an seinem Reich.
Gott verwandelt. Gott macht alles neu. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.
Amen |