Predigt am 9. Sonntag nach Trinitatis – 13. Aug. 2017

Predigttext Mt. 7, 24 – 27

24 Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute. 
25 Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut. 
26 Wer aber meine Worte hört und nicht danach handelt, ist wie ein unvernünftiger Mann, der sein Haus auf Sand baute. 
27 Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört.

Liebe Gemeinde! 

Wir haben es erlebt, in diesem Sommer 2017. Schwere Unwetter gingen über ganz Deutschland nieder. Besonders hart traf es Niedersachsen. Aus Straßen wurden reißende Flüsse, Bäume wurden entwurzelt. Die Feuerwehr musste unzählige Keller auspumpen und Sandsackdämme bauen. Menschen standen fassungslos vor den Schlammmassen, in denen die Autos untergegangen waren. Aber immerhin: die Häuser blieben stehen. Man fragt sich: Ist das alles noch normal oder doch schon eine Folge des Klimawandels? 

Jesus hatte bei seiner Rede vom Haus auf Sand die Lehmhäuser Palästinas vor Augen. Platzregen und Wind zerstörten sie leicht. In Israel regnet es nicht so oft, aber wenn, dann heftig. Ich habe schon mal so ein Gewitter mit Wolkenbrüchen in der Wüste erlebt: die Wadis füllen sich in kurzer Zeit mit gewaltigen Wasser- und Schlammmassen, die sich durch die Täler wälzen. Von den höher gelegenen Stellen stürzen sie als gigantische Wasserfälle herab. Nichts hält ihnen mehr stand. Dort sind schon mehr Menschen ertrunken als verdurstet. Ein Haus im Wadi zu bauen ist leichtsinnig, ja wahnsinnig. 

Jesus spricht ein Grundbedürfnis an: Menschen brauchen einen Raum zum Leben. Die eigenen vier Wände gelten ja als der entscheidende Rückzugsort in der Welt. Deshalb erschüttern uns die Bilder von den Menschen im libyschen Flüchtlingsgefängnis so sehr: kein Platz, kein bisschen Privatsphäre. Bei uns kann der Traum vom Eigenheim noch Wirklichkeit werden. Wer kann, investiert in Betongold.

Hier knüpft Jesus an: Wer meine Rede umsetzt, sagt er, der säuft auch in den Stürmen des Lebens nicht ab. Dessen Lebenshaus bleibt fest gegründet. Wenn ihr in felsenfestem Vertrauen lebt und tut, was ihr von mir gehört habt, kann euch nichts und niemand ins Wanken bringen. „Wer nur den lieben Gott lässt walten…“, „der hat auf keinen Sand gebaut.“ Denn auch tausendjährige Reiche gehen unter und die Freiheit der Menschen ließ sich nicht ewig hinter Mauern einsperren. 

Aber wir sorgen uns: um den Frieden, um die Erde, um die Flüchtlinge. Fanatismus und Terror können jederzeit und überall ausbrechen und Lebensgeschichten, Lebensentwürfe plötzlich zerstören. Die Katastrophen der letzten Jahre haben uns das vor Augen geführt. Mit der Zerbrechlichkeit unseres Lebens gehen Menschen unterschiedlich um: die einen knicken ein, verlieren jeden Lebensmut, oder igeln sich in den eigenen vier Wänden ein. Bei anderen toben Sturm und Regenfluten und trotzdem wissen sie sich getragen. Sie erleben, dass sie geliebt werden und bringen Liebe und ihren Glauben an Gott zusammen, zwei Seiten einer Medaille. 

Die Worte vom Haus auf dem Felsen schließen die Bergpredigt ab. Letzte Worte sind immer bedeutungsvoll und bleiben meistens gut im Gedächtnis. Sie sind die Zusammenfassung der ganzen Rede und es heißt „wer die Rede hört und sie tut, ist wie ein Mensch, der sein Haus auf Felsen baut.“ Hören und Tun gehören zusammen. 

In der Bergpredigt Jesu geht es um Einstellungen, um eine Grundhaltung dem Leben gegenüber, die ich mir selbst immer wieder mühsam abringen muss. Es geht um ein in Gottes Augen gelingendes Leben. Wer die Bergpredigt hört oder liest, fühlt sich leicht überfordert. Sie fordert heraus, lässt unruhig werden. Das ist eigentlich gerade gut so. Denn das Leben steht ja nicht still und nichts bleibt, wie es ist. Auch Menschen nicht, die den Glauben wagen. 

Wenn du meine Rede hörst und tust, bist du wie ein Mensch, der sein Haus auf einen Felsen baut. Du hast einen Grund für dein Leben, egal, was geschieht.

 

Im griechischen Text wird übrigens nicht von einer Hütte oder einem Reihenhaus gesprochen, sondern vom oikos, dem Haus, der ganzen Hausgemeinschaft. Oikos, der gleiche Wortstamm auch in Ökologie, Ökonomie und Ökumene, weist über unser Privatleben hinaus. Das oikos ist das Haus, in dem Gemeinschaft gelebt wird. Über die eigene zeitliche Existenz hinaus sollen doch auch nachfolgende Generationen an ihrem Lebenshaus bauen können. 

Heute feiern wir 160 Jahre evangelischen Gottesdienst hier im Dom. Vor 758 Jahren ist der Grundstein für diese schöne Kirche gelegt worden. Wo der Grundstein des Altenberger Doms liegt, weiß heute niemand mehr. Aber was wir wissen, ist, dass diese Kirche seit Jahrhunderten hier im Dhünntal steht, als Haus Gottes in der Zeit. In den mehr als 750 Jahren, die seit der Grundsteinlegung vergangen sind, hat der Dom viel erlebt: Blütezeiten und Niedergang, das Stundengebet der Mönche und Gospel, Krieg, Hunger und Seuchen, Reformation und Gegenreformation, zwei Weltkriege, den Wiederaufbau, die Grundsanierung. 

Wäre diese Kirche nur ein Gebäude, die Stürme der Zeit hätten sie vielleicht doch dem Erdboden gleichgemacht. Ich glaube, der Dom steht noch, weil er auf etwas Größeres hinweist: Das Haus Gottes steht bei den Menschen, weil Gott bei den Menschen wohnen will! Der Dom steht auch noch, weil diese Kirche nicht nur aus Steinen gebaut ist, sondern auch auf dem festen Grund aus Gebeten, Liedern, Tränen, Hoffnungen, Zweifeln und dem Glauben vieler tausender Menschen steht. 

Heute Morgen sind WIR hier. In dieser schönen Kirche, die uns trägt und unseren Glauben. Und die wir tragen mit unserer Hoffnung und unserer Sehnsucht nach Gottes Gegenwart. Nach Trost, Freude und Ermutigung. Nicht nur werden wir in dieser Kirche als Gemeinde zusammengehalten, wird uns das ökumenische Miteinander tagtäglich zugemutet, wir tragen auch die Kirche. Jede und jeder von uns. Wir tragen Glauben in unsere Zeit. Durch unser Singen und Beten, Hören und Handeln. An uns erkennen Menschen, ob unser Glaube ein Fundament hat, oder eine Luftnummer ist. 

Worauf ruht mein, ruht dein Leben? Frühere Generationen hatten es leichter, die lernten den Katechismus auswendig: Was ist dein einziger Trost im Leben und Sterben? Dass ich meinem Heiland Jesus Christus gehöre, der mich aus der Gewalt des Todes erlöst hat. 

Heute tun wir uns schwerer, unserem Glauben eine Sprache zu geben, überhaupt vom Glauben zu sprechen. Und weil es alles so schwierig geworden ist und wir uns nach Sicherheit sehnen, aber dem Christentum nur noch wenig zutrauen, suchen viele Geborgenheit und Sinn in anderen Religionen. 

Worauf ruht dein Leben? Was gibt dir festen Boden unter den Füßen? Worauf kannst du bauen? Vielleicht ist gerade die Ferienzeit eine gute Gelegenheit, diesen Fragen nachzugehen. Zu spüren, was hält und trägt. Aber auch Sehnsucht zuzulassen. Zum Beispiel die Sehnsucht nach der sichtbaren Einheit der Kirchen. Und den Schmerz, wenn ich erkenne, dass das, was ich für sicher hielt, zerrinnt, wie Sand und Staub. 

Und dann kommst du zurück, hier nach Altenberg, hier in die Kirche, und vielleicht spürst du, alles was du gesucht hast, ist noch da. Trost, Halt, Liebe, Musik, Sinn und der, der JA! sagt zu Deinem Leben. Und: Ich bin bei euch alle Tage, bis an das Ende der Welt! 

Amen

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