Predigt am Volkstrauertag 2018

Predigttext Offenbarung 2, 8-11

8 Und dem Engel der Gemeinde in Smyrna schreibe: Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden: 9 Ich kenne deine Bedrängnis und deine Armut – du bist aber reich – und die Lästerung von denen, die sagen, sie seien Juden, und sind's nicht, sondern sind die Versammlung des Satans. 10 Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst! Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr versucht werdet, und ihr werdet in Bedrängnis sein zehn Tage. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. 11 Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem zweiten Tode.

Ihr Lieben,

heute Morgen,

ich schreibe dem Engel der Gemeinde von Izmir: Merhaba, nasisin, imisinwie geht es dir in diesen Zeiten?

Wie geht es in deiner schönen uralten Hafenstadt Izmir am blauen Meer? Das Smyrna der Bibel, schon vor 5000 Jahren gegründet. Unzählige Herrscher und Untertanen kamen und gingen. Man hat mir erzählt, dass es heute still geworden ist auf den Straßen deiner Stadt. Man wagt kein offenes Wort mehr. Ich kenne deine Bedrängnis – eine kritische Bemerkung, ein falscher Freund, ein gefährlicher Ort, und Menschen können alles verlieren. Arbeit, Würde, Freiheit. manche sogar das Leben.

Eine Stimme, die Stimme der Lüge setzt sich durch. Nur sie soll gehört werden, ihren Lügen soll geglaubt werden. Nur ihr Glaube soll geglaubt werden.  Aber, du Engel von Izmir, Fürchte dich nicht. Der Böse wird einige von euch ins Gefängnis werfen und ihr werdet in Bedrängnis sein. Aber das Leben und die Freiheit wird man euch nicht nehmen können. Nicht für immer. Denn ihr habt die starken Kräfte auf eurer Seite. Mit euch sind andere: Deniz und Meşale, alle, die sich hier und dort für die Freiheit einsetzen. Für das freie Wort, die freie Presse.  Freiheit im Glauben, Hoffen und Lieben.  Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen. Behalte deinen Mut und dein Gottvertrauen, Engel von Izmir. Und sag es deinen Leuten. Wir werden nicht zulassen, dass ihr im Vergessen sterbt. Euer Kampf für das Leben in Freiheit und Würde will von den Mächtigen in den Dreck gezogen werden. Aber wir wissen davon. Von eurem Mut, der leuchtet und schimmert, der für uns kostbar ist, wie eine goldene Krone.

Lied: Aus tiefer Not schrei ich zu dir, EG 299

Ach Engel, Bedrängnis und Tod. Die Einflüsterungen des Bösen. Die Spiele der Mächtigen.  Gerade in diesen Tagen erinnern wir uns daran. An den schrecklichen ersten Krieg, der sich weltweit ausbreitete. Vor 100 Jahren.  Du hast damals erlebt, wie deine Stadt besetzt wurde. Wie schnell aus Freunden und Nachbarn Todfeinde wurden. Alle kämpften gegen alle, Christen gegen Muslime, Deutsche gegen Franzosen, Türken gegen Armenier, Briten gegen Türken. Versammlung des Satans, allerorten. In die Ohren der Machthaber träufelte er sein Gift: Nation, Ehre, süßer Tod auf dem Schlachtfeld, Heldentum. Am Ende hielt der Tod reiche Ernte. Seine blutrote, böse Saat war aufgegangen. 17 Millionen starben, vielleicht mehr. Soldaten, Frauen, Männer, Mädchen, Jungen und die vielen Tiere: Pferde und Esel, sogar Hunde. Dein schönes blaues Meer, die Bucht von Çanakkale blutrot.

Die Leiber der toten Soldaten türmten sich auf dem Strand. Die Felder von Ypern und Verdun verweigerten die Ernte. Die Erde hatte sich aufgetan, um Abels Blut zu empfangen. Aber das Blut der Toten schrie zu Gott. Und Gott, der tot war und lebendig ist, hörte das Grauen von der Erde in den Himmel. Er sagt: wer überwindet, Hass und Gier und Gewalt und Krieg, dem soll kein Leid geschehen. Er wird nicht den zweiten Tod des Vergessens sterben. Denn sein Name bleibt in mir geborgen in Ewigkeit. Wir vergessen nicht. Wir gedenken. Und bitten Gott, unsere Schuld zu vergeben.

Lied: Die Nacht ist vorgedrungen, EG 16, 2

Ich kenne deine Bedrängnis – das hat dir, Engel von Izmir, schon mal einer geschrieben. Vor Jahrhunderten. Auch damals wurden deine Leute zum Schweigen gebracht. Weil sie anders waren, weil sie ein anderes Leben wollten. Weil sie Gott anders in ihrem Leben wollten. Auch damals vor so langer Zeit versuchte die Macht, sich mit Macht durchzusetzen. Und du hattest zu leiden in deiner schönen Stadt am blauen Meer. Wie viele damals zum Schweigen oder gleich um die Ecke gebracht wurden? Keiner weiß es. Aber auch sie sind nicht vergessen.  Sie sterben nicht den zweiten Tod, den des Vergessens. Ihre Leiden, ihr Mut, ihr Martyrium raunen durch die Zeiten. Unüberhörbar bis zu uns heute. Auch sie damals hatten in ihren Versammlungen Spione und Spitzel mit teuflischen, bösen Plänen. Manche mussten ins Gefängnis. Eltern verloren ihre Kinder, Kinder ihre Eltern. Aber ihr seid treu geblieben. Du, Engel, bist der Gemeinde treu geblieben. Deine Leute sind ihrem Glauben treu geblieben. Trotz Unterdrückung und Folter, trotz aller Versuche, sie mundtot zu machen, trotz aller Todesangst, trotz ihrer Ermordung. Euer Kampf damals für eine Gemeinde, in der Starke und Schwache an einem Tisch die Gegenwart Gottes feiern wollten. In der nicht mehr das Faustrecht der Starken regieren sollte. Eine Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern, Juden und Griechen, Alten und Jungen. Hoffnung für die ganze Welt. Das wollte von den Mächtigen in den Dreck gezogen werden. Aber wir wissen immer noch davon. Von eurem Glauben, der leuchtet und schimmert bis heute.  Von eurer Treue. Die für uns so kostbar bleibt, wie eine goldene Krone.  Ihr seid unvergessen, ihr sterbt niemals wieder.

Amen.

Lied: Freunde, dass der Mandelzweig, EG 651

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