Ich will meine Muttersprache mit dir teilen, lachen, singen, Kamelle verteilen.

Gott, Du bist die Liebe; gib uns ein Herz für Dein Wort und ein Wort für unser Herz.

Amen

 

„Du bist mein, ich bin Dein.“,

sang Walter von der Vogelweide und

fand ich am Valentinstag auf liebesrote M&Ms gedruckt.

Mittelalterlicher Satz gleich mittelalterlicher Besitzanspruch?

Nein. Ein kleiner Liebesbrief.

Und. Große Worte. Die

„wir gehören doch zusammen“

meinen.

 

Manchmal liegt bei uns sowas auf dem Küchentisch.

Mit grade noch so schreibendem Filzstift quer überm Kontoauszug.

„Brot, Eier, Milch.

Wenn’s sein muss Tulpen.

Und: Ich liebe Dich wie wild.“

 

Manchmal steht bei uns sowas am Flurspiegel.

Mit meinem Lieblingslippenstift auf ca. 1,65m Höhe,

damit ich’s auf jeden Fall sehe.

„Fetter Kuss.“

 

Das sind perfekte Liebesbriefe. Für mich.

Viel mehr muss ja auch nicht gesagt werden.

Oder?

 

[ Liebeslied „op Kölsch“]

 

„Ich will meine Muttersprache mit dir teilen,

lachen, singen, Kamelle verteilen.

Ich glaub‘, ich hab‘ dich gern.“

 

Muttersprache teilen.

Lachen. Singen. Kammelle.

Singen LivingNextDoor op Kölsch.

Extra für uns heute. Und was soll ich sagen:

Ein perfekter kleiner Liebesbrief.

Mehr muss es für die Rheinländerin in mir nicht sein.

Sagt doch alles.

 

Andere brauchen aber vielleicht zwei, drei Worte mehr.

Ich will da mal nicht so sein. Und hole noch ein bisschen aus.

 

Auch nach 10 Jahren lacht mich meine Frau noch aus,

wenn ich zum Kartoffel schälen

in der Küchenschublade

nach einem „Zoppenmetz“ suche.

– Sie kennen das kleine Küchenmesser vielleicht als

„Pitterchen“, „Hümmelchen“ oder „Knippchen“. –

Lachend fragt sie dann:

„Was suchst Du?“

 

Es passiert immer noch oft, dass sie sagt:

„Das Wort hast Du Dir doch ausgedacht, das gibt es doch gar nicht.“

 

Meistens sind das regionale Wort.

Worte, die ich zu Hause gelernt habe.

Und die ich mich lange nicht getraut habe in der Öffentlichkeit zu benutzen.

Bei mir wachsen Schneeglöckchen zum Beispiel „auf’em Plöschen“.

Und je nach dem, wie ich also Kind so aussah und rumstolperte,

sagte meine Mutter: „Du siehst wieder aus wie Charlie Rivel.“

Ja, den Clown Charlie Rivel muss man dafür schon kennen,

um zu verstehen, was sie meinte. Ist ein geflügeltes Wort.

Aber eben nur bei uns zu Hause. Klingt alles erfunden.

 

Muttersprache.

Das ist Familiensprache.

Das ist tief empfundene Liebessprache.

Das sind Worte für den „inner circle“.

Haben Sie doch bestimmt auch.

 

Inzwischen kann ich das Lachen meiner Frau verkraften.

Wir sind stark genug, um auszuhalten, dass die jeweils andere komische Sachen sagt.

Und die Sprache der anderen entwickelt sich im Laufe der Beziehung ja auch weiter.

Vor ein paar Wochen sagte meine Frau, das Regal sei etwas „lingelahm“,

dass müsse mal fixiert werden.

 

„Lingelahm“.

Das ist mein Wort.

Ein Wort meiner Mutter.

Aus meiner Kindheit.

 

Ich denke, langsam beginnen wir uns zu verstehen.

Aber ein paar Jahre gebe ich uns noch.

 

Muttersprache. Liebessprache. Herzsprache.

Einfache Sprache.

 

Und dann noch Lachen und Singen.

Auch, wenn ich eher fürs Kamelle-werfen zu haben bin.

Meine Frau ist die musikalische. Das ist ihre Muttersprache.

Sie kann blaue Gitarre und Roll-Piano, dazu hat sie eine schöne Stimme.

Und ich. Ich kann Rhythmus-Ei und naja, Karnevalslieder und Schunkeln.

 

Wenn sie am Schreibtisch sitzt und keine Worte findet, dann

werfe ich Konfetti in ihre Tastatur.

Und wenn mir Worte fehlen, dann

legt sie mir ein Wörterbuch hin.

Watt buntes hilft immer.

Und andere Sprachen

bereichern.

 

„Du bist mein, ich bin Dein.“

Viel mehr Worte braucht es nicht.

Und wenn wir die Sprache der jeweils anderen gelernt haben.

In ein paar Jahren. Wer weiß. Vielleicht sind Worte dann gar nicht mehr nötig.

 

Die Bibel braucht auch nicht viele Worte, um Liebe zu beschreiben.

Und sie ist dabei erstaunlich offen und vielstimmig.

Es geht um Alltägliches. Darum,

sich mitten im Leben zu finden.

Und um: Freundschaft.

 

In meiner Bibel.

Im Hohelied Salomos liegt eine Freundin.

„Denn die Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich.

Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des Herrn.“,

heißt es da.

 

Das ist unser Satz.

Wir sind gut genug befreundet, um

das Albtraumgespann für jede Fortbildung zu sein.

Leidenschaftlich, vorlaut, Feuerfunkensprühend. Freundinnen eben.

 

Das braucht die Liebe.

Das brauchen Liebesbriefe: Feuerfunkenflug.

 

Ganz ohne knall-rosa-glitzer-Kitsch sagt Jesus:

Wer bereit ist, für seine Freunde zu sterben; der liebt.

Das ist ziemlich groß. Und wenn’s nicht Jesus wär‘, der ja genau das gemacht hat, dann, …

Ja, dann würde ich sagen: „Komm, erzähl doch keinen, …“

Aber Jesus sagt’s, meint’s ernst und zieht’s durch.

 

Ich fürchte.

Ich brauch da noch ein paar Jahre.

Klar kriegt auch meine Ehefrau lebensbedrohlichen Männerschnupfen.

Aber da leg ich mich doch nicht zum Sterben neben sie.

Nein. Ich koche Hühnersuppe. Reiche Taschentücher.

Mache Wärmflaschen.

 

„Das reicht!“ Sagt Jesus,

„das ist Liebe.“

 

„Aber eben hast Du gesagt, …“, sage ich.

„Eben nicht, …“, antwortet Jesus.

„Ich habe gesagt: liebt einander.

Das machst du. Du liebst.

Und ich habe gesagt:

‚Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete.‘“

„Mhm, also ein Tod reicht?“, frage ich.

„Ein Tod reicht. Meiner um genau zu sein.

Konzentrier Du Dich aufs Suppe kochen.“, antwortet Jesus.

 

Mach ich dann auch.

Und manchmal liegen Buchstabennudeln auf dem Tellerrand:

„Ich liebe Dich!“ soll das heißen.

„I’s“ waren wohl keine drin.

Da liegen Sterne.

 

Liebe braucht nicht viel.

Freundschaft braucht nicht viel.

Schon gar keine glitzernden Wortwolken.

 

Johann Wolfgang von Goethe soll 1770 Liebesbriefe geschrieben haben.

Kein kurzes „Lachen, singen, Kamelle werfen“ dabei.

1770 Liebesbriefe. Lauter dolle Worte.

Von heute aus schwer zu sagen.

Aber so richtig glücklich, naja.

 

Airbnb hatte in den Wochen vor dem Valentinstag ein Gewinnspiel.

Man sollte an Giulia – die aus Romeo und Julia – schreiben.

Nicht irgendwas. Auch keinen Liebesbrief an Guilia.

Sondern die eigene Liebesgeschichte.

Die schönste sollte gewinnen.

Hauptgewinn: Eine Nacht

in der Casa di Guilietta.

 

Ich hab‘ überlegt mitzumachen.

Aber dann hab‘ ich gedacht:

So romantisch ist das mit Romeo und Julia jetzt auch nicht gewesen.

Romeo und Julia, die haben es trotz unzähliger, verführerischer Worte nicht hinbekommen, Freunde zu werden, einander zu lieben und mit einander zu leben,

Kinder zu haben und alt zu werden. In Sachen Liebe

voll versagt. Am Ende beide tot, noch bevor

es richtig angefangen hatte.

 

In Sachen Liebe und Leichtigkeit,

singen, lachen, Kamelle

brauche ich Jesus,

LivingNextDoor und

Bilder von Freundinnen.

Shakespeare und Goethe,

die hatten es echt nicht drauf.

 

Trotzdem war ich neugierig und hab mal geschaut,

was andere ihren Liebsten so schreiben.

Einen – natürlich doller Musiker –

kann ich verstehen.

 

Nach fast 40 Jahren Beziehung hat Johnny Cash seiner Frau June Carter geschrieben:

„Wir werden alt und gewöhnen uns aneinander. Wir denken gleich. Wir lesen unsere Gedanken. Wir wissen, was der andere will, ohne zu fragen. Manchmal ärgern wir einander ein wenig. Vielleicht nehmen wir uns manchmal als selbstverständlich. Aber immer mal wieder, wie heute, denke ich darüber nach und begreife, wie glücklich ich mich schätzen kann, mein Leben mit der tollsten Frau zu teilen, die ich je kennengelernt habe.“

 

Vermutlich gewinnt man mit sowas keine Gewinnspiele.

Aber das Herz der Liebsten.

Weil‘ ehrlich ist. Weil’s Liebe ist.

 

„Du bist mein, ich bin Dein.“,

Ein kleiner Liebesbrief.

Mehr braucht‘s nicht.

Denn das ist mitten

aus’em Leben.

 

Gott, Du bist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Dir.

Amen

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